Mein Freund der Baum. Bei der Selbstbeobachtung habe ich festgestellt, dass ich den Maulbeerbaum als einzigen und recht schnell als meinen Freund bezeichnet habe. Und anfangs völlig unbewusst. Nicht den Maulbeerbaum im Allgemeinen, sondern jeden von zwei voneinander unabhängige Exemplaren. Inzwischen nenne ich sie auch bewusst so.
Maulbeeren habe ich zuerst in getrockneter Form kennengelernt. In Deutschland gibt es sie abgepackt in orientalischen Supermärkten zu kaufen. Sie werden dort in kleinen Plastiktüten oder –dosen angeboten und präsentieren sich als hell bis dunkelbraune, kleine, süße Früchte. In dem Zustand optisch vielleicht mit so etwas zu vergleichen, dass sich im Handel als Crunch etabliert hat. Also kleine nussige Klümpchen in Süßspeisen, Müslis, Joghurts etc. Nur, dass Maulbeeren eben Früchte und keine Nüsse sind, etwas weicher.
Optisch sind sie den Brombeeren ähnlich und in manchen Sprachen ist es auch das gleiche Wort. Zwar sind sie geschmacklich und botanisch verwandt, aber nicht so nah. Es sind auch für mich unterschiedliche Früchte, die sich nicht zu vergleichen lohnen.
Domain Maman Terre

Auf dem Gelände steht ein großer Baum, der während meiner Anwesenheit immer unzählige, reife Früchte bildet. Eine rosa Variante. Sie beginnen grün, werden dann weiß und letztendlich rosa, was sich nochmals von hell bis dunkel abstuft. Je reifer die Früchte, je leichter lässt der Baum sie los und es braucht nur wenig Bewegung in den Ästen, damit sie herunterfallen. Meistens begnüge ich mich mit der täglichen Menge an Fallobst und suche dazu als Mittagsmahl hockend einmal den gesamten Boden unter dem Baum ab.
Flores de Vida
Auch in Flores de Vida gab es bereits bei meinem ersten Erscheinen dort einen kleinen Maulbeerbaum mit rosa Früchten. Und obwohl dieser wächst und wächst, ist die Zahl der Früchte, die ich davon jedes Mal esse, gen Null gegangen. Die Vögel bedienen sich an ihnen bevor sie reif sind.
Seit 2018 haben sich aber zwei, drei Bäume soweit entwickelt, dass sie für ein paar Tage einige Handvoll abgeben. Es sind jedoch dunkle Früchte, die erst rot sind und dann schwarz werden. Genauso köstlich, jedoch stark färbend.
Den Baum, den ich aber dort meinen Freund nenne, steht an anderer Stelle. Auf dem Anwesen einer Bekannten nicht weit entfernt von Flores de Vida, die inzwischen aber meist in Barcelona arbeitet und deshalb auch dort wohnt. Währenddessen hütet ein befreundetes spanisches Pärchen ihr Haus und ihren Hof.
Vor diesem Haus steht ein riesiger Maulbeerbaum, der während seiner Saison die Fülle und den Überfluss repräsentiert. Wir fahren manchmal vorbei, wenn wir Kirschen ernten. Leider ist außer mir keiner so angetan von diesen Früchten, dass jeder Abstecher als lohnend betrachtet wird. Auch die Bewohner selber sind mit der Menge überfordert, weshalb überhaupt die Möglichkeit besteht sich dort ohne Bescheidenheit zu bedienen.

Jedenfalls ist der Boden dort voll mit den Früchten und genauso der Baum selber. Und während des Aufsammelns regnet es immer wieder neue Früchte nach. Selten pflücke ich Früchte. Meist komme ich schon mit dem Fallobst nicht nach. Und während ich mir Stück für Stück den Weg frei esse, um möglichst wenig Früchte zu zertrampeln und an möglichst viele Früchte zu gelangen, färben sich meine Fußsohlen und Hände dunkelrot.
Dreck essen


Aufgrund derselben Bequemlichkeit esse ich auch die kleinen Stiele mit. Manchmal, wenn sich beim Kauen ein auffällig harter bemerkbar macht, spucke ich ihn aus, aber die meisten wandern durch meinen Verdauungstrakt.
Kein Futterneid

Andernorts
Ich weiß, dass es auch auf der Finca Tierra und den Fincas in Andalusien Maulbeerbäume gibt, aber zu deren Saison bin ich nicht dort. Es entgeht mir in dem Sinne zwar nichts, aber interessant wäre das Kennenlernen dennoch, da es sich um andere Sorten handeln soll. Solche, die stärker an Brombeeren erinnern, da sie deutlich größere, dickere, saftigere Früchte hervor bringen.
Meine Interaktion mit diesen Früchten ist bislang jedenfalls kurz und heftig und ich begrüße die Bäume jedes Mal mit Freude und verabschiede mich dankbar von ihnen.



