Zu den Ereignissen, die ich mir in meinen Kalender eintrage, gehörte auch das Aufkommen der Sinnfragen, wenn ich es mal unter diesem Stichwort zusammenfassen will. Ich bin währenddessen, wie jetzt auch, in Flores de Vida gewesen, hatte die Situation allerdings mit dem Behelf das Ganze in größerem Zeitrahmen zu betrachten erst später schriftlich hier festgehalten. Am 17. Mai jedenfalls jährte sich dieses Ereignis und das eignet sich doch dazu es nochmals aufzugreifen.
Ohne den Kalendereintrag wäre mir der Vorfall nicht gegenwärtig gewesen. Und auch wenn ich gleich den Entschluss zu dieser Neubetrachtung fasste, so ruhte der erste, kleine Entwurf dieses Artikels nun doch fast zwei Wochen.
Meine Lebensumstände und die Situationen an meinen Aufenthaltsorten haben sich nicht grundlegend geändert. Sie haben sich im Prinzip gar nicht verändert, was meine Stellung betrifft. Klar, die Beziehungen werden stärker und tiefgründiger. Vertrauen und Verantwortung wachsen. Aber ich bin weiterhin frei in meiner Entscheidung, wann ich wohin gehe und wie lange ich bleibe oder wie ich meinen Tag gestalte und welche Aufgaben ich übernehmen will.
Und weiterhin kann ich nüchtern und objektiv betrachtet sowohl im Kleinen für das einzelne Projekt, die einzelne Person argumentieren, welchen sinnvollen Beitrag und Nutzen ich leiste, als auch im Großen, was die Gestaltung einer angenehmeren Welt betrifft. Gleichermaßen ist es mir immer noch genauso möglich die ganz große Frage mit Gleichgültigkeit zu beantworten. Dass es unter dem letzten Strich keinen Unterschied macht. Allerdings wirkt sich diese Sichtweise momentan nicht auf meine Stimmung aus, sie ist nicht im Vordergrund. Ich habe wissentlich keine Bemühungen unternommen mein inneres Treiben in der Hinsicht zu beeinflussen. Keine Idee davon, was den Schwerpunkt in mir verlagert hat und ob und wie sich der Zustand hält.
Ich verspüre über die letzten Wochen und Monate einen stetigen Antrieb. Lust und Motivation den Dingen nachzugehen, denen ich nachgehe. Das Gärtnern, das Bauen und Basteln, das Reparieren und in Ordnung bringen – offline wie online. Und eben auch das Philosophieren und Schreiben.
Momentan schlafe ich wenig und verbringe wenig Zeit liegend oder ruhend. Ich habe das Bedürfnis auf all meinen Baustellen aktiv zu sein und voran zu kommen, Sachen zu erledigen und abzuschließen. Und so sehr meine persönliche Bemühung und Unterstützung auch geschätzt und genossen wird, so versuche ich mich überflüssig zu machen bzw. die Dinge so herzurichten und zu gestalten, dass ihr Funktionieren, ihr Nutzen und ihre Nutzbarkeit nicht von mir abhängen. Darin sehe ich einen Gewinn an Freiheit für mich und die anderen.
Und auch mit dem Blick auf bald 6 Jahre und 6 Monate in dieser Lebensweise, beantwortete ich die immer mal wieder gestellten Fragen nach Zufriedenheit, Dauer und Alternativen auch in letzter Zeit ohne groß nachzudenken und Zweifel zu spüren auf die übliche Art und Weise:
Mir gefällt mein Leben, so wie ich es im Moment lebe. Es ist einfach und angenehm und befriedigt all meine Bedürfnisse. Ich wüsste nicht, was ein verlockenderes, erstrebenswerteres Konzept wäre und habe keinen Antrieb und Drang es zu verändern.