Da es ein zeitlich vergleichsweise kurzer und vor allem abgeschlossener Abschnitt ist, lassen sich aus den Ortswechseln mit Fährüberfahrten für mich gut Berichte schreiben. Hier also der zweite dieser Art. Das Ereignis an sich stellt auch meinen Jahreswechsel dar; von da an geht der Kreislauf von vorne los.
Trotz dieser optimistischen Einleitung weiß ich nicht, warum ich nach deren Verfassen noch zwei Monate für die Fertigstellung gebraucht habe. Meine Neigung zu Ab- und Ausschweifungen mag dazu beitragen. Jedenfalls sehe ich dieses Mal von einer Aufteilung des Berichts ab.
Reisevorbereitungen
Als Entscheidungsgrund für den Termin meiner Abreise von den Kanaren, nenne ich oft den Moment, wenn es auf dem Festland wieder wärmer wird. Inzwischen sind aber die Ereignisse in Flores de Vida ausschlaggebend. Da sich eingespielt hat die dortige Frühlingssession in der ersten Maihälfte zu beginnen und ich an dieser unterstützend teilnehme, will ich für eventuelle Vorbereitungen und meine Eingewöhnung ungefähr eine Woche vorher am Ort sein.
Reisemittel
Die beiden Fähren fahren jeweils einmal pro Woche und immer am selben Wochentagen, wenn auch jede an einem anderen. Und unter Berücksichtigung der Ungewissheit darüber wie lange meine Reise über Land dauern wird, fällt meine Abreise von der Finca Tierra immer grob auf Ende April. Seit letztem Mal versuche ich mich auch mit Nachbarn abzustimmen, die oft in der Zeit mit ihrem Camper-Bully nach Frankreich fahren. Ich kann dann mit ihnen zur Fähre fahren und ab dem Zielhafen weiter. Sie übernachten in ihrem Auto und ich in meinem Zelt daneben. An der für mich günstigsten Stelle ihrer Route, verlasse ich sie dann. Dieses Mal planten sie ihren Sommerausflug aber deutlich später zu unternehmen.
Ein Flugzeug ziehe ich auch weiterhin nicht in Betracht, egal wie günstig und schnell diese Lösung ist. Es mag sein, dass sich so eine Schwerölfähre ökologisch mit einem Passagierflugzeug nichts nimmt. Bisher habe ich nicht versucht herauszufinden, ob es dazu Angaben gibt. Sie würden mein Vorgehen vermutlich auch nicht ändern. Die Angst vorm Fliegen verdränge ich mir mit dem Wissen darüber, dass es das sicherste Verkehrsmittel ist. Gerade 2017 war in der Hinsicht das erfolgreichste Jahr in der Luftfahrtgeschichte. Noch nie so viele Flüge und zurückgelegte Kilometer weltweit und noch nie so wenig Unfälle und Verunglückte. Anreiz der Flugmeidung ist für mich weiterhin viel mehr sagen zu können noch nie in einem Flugzeug geflogen zu sein, auch wenn das keine Auswirkungen hat.
Während der ersten Monate des Jahres schaue ich hin und wieder, wen ich dran denke, nach Segelmöglichkeiten bei FindACrew.net. Zusätzlich erhalte ich kontinuierlich den Newsletter von HandgegenKoje.de mit potentiell passenden Angeboten. Nachdem ich mich auf die Fähre am 27. April festgelegt hatte, kam ein Gesuch nach Mitseglern für einen Törn ab dem 28. von Gran Canaria rein. Es sollte über Madeira und Gibraltar nach Malaga gehen. Im Grunde eine passende Route, aber die anberaumten zwei Wochen würden es zeitlich für mich knapp machen.
Und auch wenn ich weiter das Segeln in Betracht ziehe, um ökologischer zu reisen und die Chance auf Austausch statt Bezahlung zu haben, so liegt mir nicht viel daran. Es ist nicht so, dass es mir an und für sich große Freude bereitet auf einem Schiff unterwegs zu sein; im Grunde bin ich am liebsten so wenig und so kurz wie möglich unterwegs. Ich wähle somit die für mich bequemste Lösung und besteige die Fähre von trasmediterranea in Santa Cruz de La Palma am Freitag um 16 Uhr, schippere mit dieser über Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote, um dann ab der Nacht von Samstag auf Sonntag den Atlantik nordwärts bis nach Cádiz zu überqueren, wo sie montags um 12 Uhr lokaler Zeit eintrifft. Durch die Zwischenstopps samt Ladungstausch auf den anderen Inseln beträgt die Reisezeit auf dem Schiff insgesamt ca. 67 Stunden.
Die andere Fähre legt leider nur von Teneriffa aus ab. Leider, weil ich dazu erst eine andere Fähre von Insel zu Insel nehmen muss, was aufgrund der nicht abgestimmten Fahrpläne unattraktiven Reisezeiten und Aufenthalte bedeutet. Angenehm ist natürlich der geringere Preis und dass es dann in einer Fahrt direkt nach Huelva geht und somit der Reiseanteil auf dem Schiff nur etwas über 30 Stunden dauert.
Mein Ticket habe ich bislang immer am Abreisetag am Schalter des Fährunternehmens gekauft. Ich schaue zwar auch vorher immer mal im Internet nach Preisen und Verfügbarkeit, habe aber keine Lust auf den Onlinekauf. So besteht natürlich das Risiko kein Ticket oder zumindest kein günstiges Ticket mehr zu erhalten, aber ich denke mir meist, dass ja bis zum letzten Moment etwas dazwischen kommen könnte und es tatsächlich nicht dramatisch wäre sie zu verpassen, wenn ich noch nicht bezahlt habe.
Die Sichtung bei directferries.com und trasmediterranea.es selber, machen mich schon oft nachdenklich. Warum kostet das Ticket beim Wiederverkäufer 15 Euro weniger als bei der Gesellschaft selber, wo ich grundsätzlich lieber kaufen würde. Auch wenn schon das im Reisebüro gekaufte Ticket für die Hinfahrt (oder ist es die Herfahrt?) mehr als die von mir aus den Vorjahren immer noch angenommenen 150 Euro kostete, überraschten mich die höheren Preise. Ich hoffte auf gewohnte Verhältnisse am Schalter.
Endspurt
Mit dem Tag, an dem ich meinen Abreisezeitpunkt festlegte und bekanntgab, irgendwann Anfang April, glaube ich, änderte sich auch ein wenig die Herangehensweise auf der Finca. Was war noch fertigzustellen? Was wäre noch gut und nett zu erledigen und umzusetzen, bevor ich abreise? Komischerweise wirken die Tage bis zu einem Termin kürzer und weniger.
Statt mit dem öffentlichen Bus von der Finca Tierra aus – sie hat eine eigene, gleichnamige Haltestelle – über die Insel zum Hafen zu fahren, kam mir irgendwann die Idee Maïne vorzuschlagen ihr Auto mit dem auf der Finca angesammelten Schrott und größeren Müllteilen am Vortag meiner Abreise zu beladen und diesen gemeinsam zum Punto limpio zu bringen. So heißen in Spanien die Wertstoffhöfe: sauberer Punkt. Dieser liegt so weit weg von der Finca, dass wir ihn nicht einfach mal so anfahren, aber eben auf dem Weg nach Santa Cruz zum Beispiel. Sie könnte den Ausflug noch mit anderen Erledigungen verbinden und so hätten wir beide etwas davon. Die Busfahrt zieht sich ganz schön. Umsteigen ist notwendig und es bleibt nicht viel Spielraum aufgrund der wenigen Verbindungen.
Tatsächlich fand Maïne recht schnell Gefallen an der Idee und so legten wir alles auf dieses Vorhaben aus. Gepackt und aufgeräumt hatte ich bereits Donnerstag, so dass der Freitag Morgen ganz entspannt verlief. Wir wollten spätestens um 10 Uhr losfahren. Mein Erwachen war rechtzeitig, aber ich verspürte einen Ansatz von Kopfschmerz. Das mag zu einem der psychologische Effekt sein, dass ich hoffe bloß nicht genau an diesem Tag Migräne zu bekommen. Es kann auch daran gelegen haben, dass ich spät eingeschlafen bin und nachts nochmals für eine Stunde erwacht war, sowie dem Vortag geschuldet sein, den ich seit längerem Mal wieder ungewöhnlich lang in praller Sonne verbracht hatte.
Aquaristisches Intermezzo
Ich wollte noch den Pool reinigen, was bedeutet das Wasser komplett abzulassen. Der Pool ist gleichzeitig Wasserreservoir für die Gartenbewässerung und wird deshalb nicht gechlort. Lediglich mit Pumpen wälzen wir das Wasser um und lassen es dabei durch Textilfilter laufen. Das und das gelegentliche Abfischen von Fremdkörpern führt dazu, dass wir ihn recht lange sauber und auch klar halten können.
Die vielen Wetterwechsel der voran gegangenen Wochen beförderten aber das Algenwachstum. Wenn zu oft warme und kalte Tage aufeinander folgen, dazu der Wind allerlei Zeug ins Wasser bläst und anhaltende Bewölkung dafür sorgt, dass nicht genug Solarstrom für die Pumpen verfügbar ist, kann aus leicht grünlich schimmerndem Wasser schnell eine dunkelgrüne, flockige Flüssigkeit werden. Zwar immer noch unkritisch und geeignet um darin zu schwimmen, aber der Zustand bessert sich nicht mehr und all das Zeug muss ja auch durch die Bewässerungsschläuche.
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Der Großteil der Poolreinigung erfolgt von alleine. Wasser heraus laufen lassen und dabei hin und wieder die Rückstände von den Wänden bürsten. Jedoch liegt der Abfluss ein paar Zentimeter über dem Grund und somit bleibt den Rest hinaus zu schöpfen. Dem habe ich mich dann Donnerstag noch hauptsächlich gewidmet. Mehrere Stunden nackt in heißer Sonne.
Reiseproviant
Jedenfalls konnte ich den Freitag dennoch wie geplant starten und aß nochmals Orangen, Papaya und Nísperos als erste und letzte Mahlzeit des Tages. Ich hatte mich dazu entschieden und darauf eingestimmt dieses Mal auf dem Schiff und auch den Rest der Reise nahezu zu fasten. Ich wollte mich dieses Mal nicht dem Überfluss hingeben, sondern mich mit dem Obst, das auf der Fähre angeboten wird, begnügen. Bei allen drei Mahlzeiten würde ich nur um Aushändigung von Früchte und Wasser bitten, aber nur die Morgenration essen und die anderen Portionen für die Zeit nach der Fähre aufbewahren. Ich hatte außerdem alle meine vier Trinkflaschen bis oben hin gefüllt und noch eine große Flasch Bio-Grapefruitsaft mitgenommen, die seit Jahren im Vorratsraum der Finca steht und ein MHD von 2017 hat.
Startschwierigkeiten
Als wir nach meiner Verabschiedung von den anderen auf der Finca im Auto saßen, ging uns beiden unausgesprochen das gleiche durch den Kopf, was sich dann auch manifestierte. Maïne hatte Schwierigkeiten das Auto zu starten bzw. den Motor am Laufen zu halten. Vor einem Jahr sprang es gar nicht an als sie mit einer Freundin zum Flughafen fahren wollte. Es dauerte damals einen Moment bis ich heraus fand, dass der steckengelassene Schlüssel zur Entladung der Batterie führte und wir mit einigen Hindernissen das Auto wieder fahrtüchtig machen konnten.
Dieselbe Ursache lag dieses Mal nicht vor. Ich war ziemlich bald der Überzeugung, dass hier auf jeden Fall ein psychologischer Effekt vorlag. Denn durch verschiedene Defekte und Probleme an diesem Auto, kam Maïne schon häufiger bei kleinen Komplikationen zu Verunsicherung in der Handhabung und konnte das bis zum vollständigen Misslingen des Anlassens hochschaukeln. Auch dieses Mal hatte ich den Eindruck, dass es eher ihr Verhalten als das Auto ist, dass zum Scheitern der Funktion führte. Ich versuche zwar beruhigend einzureden, aber kann durch meine fehlende Fahrpraxis und auch nicht zu verleugnende Unsicherheit mit Autos in solchen Momenten nicht gut weiterhelfen.
Durch das hörbare Absaufen und Starten des Motors, kam recht bald der Zimmermann zu uns, der zu der Zeit auf der Finca Arbeiten durchführte und bot seine Hilfe an. Im ersten Anlauf startete er den Wagen problemlos und fuhr ein Stück die Einfahrt entlang. Wir prüften noch den tatsächlich niedrigen, aber nicht kritischen Ölstand und übernahmen dann das Fahrzeug wieder. Mit dieser positiven Vorführung hatte dann auch Maïne wieder die nötige Sicherheit, um problemlos davon zu fahren. Wir tankten noch und ließen das Öl nachfüllen und absolvierten dann problemlos den Rest der Fahrt.
Wir entleerten das Gerümpel und waren weiterhin gut in der Zeit. In El Paso, was deutlich über der Hälfte meiner Strecke liegt, verabschiedeten wir uns dann. Erst hier zog ich meine Reisekleidung an. Für die Müllentsorgung war ich in Arbeitskleidung von der Finca aufgebrochen.
Entspannt voran
Ich lief die Straße ein Stück weiter, um einen geeigneten Platz zu finden, an dem ich Autos anhalten wollte. Ich nutze den Schatten einer Bushaltestelle und versuchte mein Glück. Leider vergeblich. Bis auf die Gegend, in der sich auch die Finca befindet, habe ich bislang wenig Erfolg als Anhalter auf der Insel. Einen Bus ließ ich passieren, den nächsten nahm ich dann aber. Zwar war noch genug Zeit, aber ich wusste nicht wie lange er für die Fahrt brauchen würde und ich wollte mein Glück noch ein Ticket zu bekommen nicht unnötig strapazieren.
Bereits eine halbe Stunde später war ich in Santa Cruz und begab mich zum Verkaufsschalter. Ich kramte meinen Reisepass und das Geld hervor. Zwar hatte mir Maïne zum Abschied als Dank Geld angeboten, ich habe aber nur einen Teil mit der Erklärung angenommen, dass es die Mittel für meine Rückkehr auf die Insel sind. Aus welchen Beständen genau mein Guthaben für den aktuellen Kauf kam, weiß ich gar nicht so genau. Mit der Zeit ergibt sich ein kleines Gemisch aus verschiedenen Geldgeschenken, die ich für solche Zwecke annehme.
Der Angestellte am Schalter gab nach meiner Bestellung recht bald zu verstehen, dass er kein Ticket zum kleinsten Preis mehr habe, ohne es vorerst weiter zu erläutern. Er wartete auf die Rückmeldung seines Programms. In dem kurzen Augenblick rechnete ich schon damit vielleicht über 200 Euro zahlen zu müssen, was mich erst einmal nicht abschreckte. Noch bevor ich darüber nachdenken konnte, was wohl meine Schmerzensgrenze wäre, nannte er mir 171,80 Euro als Preis für ein Ticket im Passagierraum. Es war nur wenig mehr als ich online maximal fand und so stimmte ich ohne weiteres zu.
Nun hatte ich mein Ticket und noch reichlich Zeit. Der Shuttlebus, der die Passagiere aufs Schiff bringt, stand noch nicht bereit. Ich überlegte, ob ich in die Stadt zum Markt gehen sollte, um vielleicht doch noch die ein oder andere Frucht zu ergattern, aber ich war auch ohne mein Gepäck durch die Gegend zu schleppen auf einmal recht müde und im Grunde auch weiterhin zufrieden mit meiner Entscheidung wenig zu essen. Ich setzte mich draußen in die Sonne. Selbst in der war es an dem Tag nicht besonders warm und döste vor mich hin, lehnte mich irgendwann an. Am liebsten hätte ich mich hingelegt und geschlafen, aber das bot die Örtlichkeit nicht an.
An Bord
Irgendwann kam dann endlich der Shuttlebus. (Ich hatte gedacht mir irgendwo die Zeiten dieses Tages notiert zu haben, um sie zur besseren Orientierung in diesem Text zu verwenden, aber offenbar habe ich sie mir nur im Gedächtnis merken wollen, was nicht geklappt hat.)
Enttäuschung
Kurz nach Betreten des Schiffsinneren und Passieren der Rezeption, machte sich der Bordsheriff bemerkbar. Ich zähle neun Fahrten, die ich bisher mit dieser Fähre auf dieser Strecke unternommen habe und zum ersten Mal ist Sicherheitspersonal im Dienst. Ein Mann mit Uniform seiner Firma und Gürtel voller Utensilien inklusive Schlagstock, weist mich darauf hin, dass ich Schuhe anziehen möge. Auf Spanisch und freundlich. Ich habe die Aufforderung bejaht, bin aber dennoch zuerst an meinen gewohnten Platz in der 90er-Reihe gegangen. Wobei ich gar nicht weiß, ob die Nummern gelten, die ich auf der Rückseite der Sitze vor mir sehe oder die, die auf der Rückseite meines Sitzes sind.
Die Aufteilung dieses Passagierraums sieht so aus, dass er von hinten betreten wird. Links, entlang der Fenster, sind jeweils drei Sitze nebeneinander. Ich weiß gar nicht wie viele davon hintereinander, vielleicht zwischen 15 und 20. Jedenfalls befindet sich neben diesen kurzen Sitzreihen der Zwischengang, dann die langen Sitzreihen mit sieben Sitzen direkt nebeneinander. Dann eine Trennwand, die aber nicht bis zur Decke reicht und nur einen groben Sichtschutz bietet. Hinter dieser ein weiterer Gang, der Zugang zum Speiseraum ist, welcher sich ebenfalls nur grob getrennt vor dem Sitzbereich befindet; also aus Sitzrichtung betrachtet. Zwischen Sitzreihe und Trennwand ist auch ein wenig Platz, um auch von dort an die äußeren Sitze zu gelangen.
Gewohnheitsmäßig belege ich immer alle sechs nebeneinander befindlichen Sitze dieser Reihe, um dort mein Gepäck abzustellen und ausgestreckt darauf schlafen zu können. Bislang stellte das auch kein Problem dar, weil es nicht so viele Passagiere sind und jeder problemlos so eine Reihe für sich nutzen kann oder sich auch mal Paare eine teilen.
Ironie an der Sache mit den Schuhen ist, dass ich erst wenige Tage zuvor in einem Gespräch über mein Barfuß-Dasein über die wenigen Situationen berichtete, in denen ich Schuhe tragen müsste und dabei trasmediterranea dafür lobte dort unbekümmert ohne diese unterwegs sein zu können, während ich beispielsweise auf der Armas-Fähre sofort und mehrfach aufgefordert wurde nicht mit nackten Füßen herumzulaufen. Nun ja. Ich packte meine Sandalen aus und würde sie für die wenigen Gelegenheiten, die ich umher gehen würde eben anziehen.
Als nächstes legte ich mich hin und wollte meinem Schlafbedürfnis nachgehen. Nach kurzer Zeit hörte ich ein leises Rufen, ich glaube es war Caballero und kam von der anderen Seite der Trennwand. Ich lag mit dem Kopf zu dieser, mit den Füßen zum Gang zwischen den Sitzreihen. Mich durchschlich das Gefühl gemeint sein zu können, aber ich blieb regungslos mit geschlossenen Augen und glaube der Mütze auf dem Gesicht liegen. Ignorieren hilft aber nicht immer. Señior Grupo control stupste mich wenige Momente später an den Füßen und machte mir klar, dass nur nachts auf den Sitzen gelegen werden dürfe. Das war mir ebenfalls neu und ein Grund nicht ersichtlich. Aber was würde es für einen Sinn haben, wenn ich mit meinen unzureichenden Spanischkenntnissen eine Grundsatzdiskussion mit einem ausführenden Mitarbeiter halten würde? Also setzte ich mich, gegen meinen großen Rucksack gelehnt, in einigermaßen bequeme Weise so, dass ich weiterschlafen konnte.
Verschlimmerung
Obwohl mein Körper mir eindeutig mitteilt, dass er schlafen möchte, führen diese kurzen Schlafphasen mit Ansatz von Kopfschmerz dazu, dass sich diese erst einmal verstärken. So pochte es zunehmend stärker gegen meine rechte Schläfe, wenn ich erwachte. Meist gelang mir aber die schnelle Flucht in erneuten Schlaf. Der Lärm und die Beleuchtung ringsum stören mich dabei wenig.
Während dieser Phase verschwindet auch mein Hunger und Appetit. Auch Durst kommt keiner auf, obwohl ich immer im Hinterkopf habe, dass die Wasserzufuhr hilfreich sei. Ich schaffe es manchmal mich dazu zu zwingen zwei, drei Schlucke zu nehmen, aber es fällt mir schwer und ist unangenehm. Bislang habe ich auch nicht die Erfahrung gemacht, dass mir das, was ich zu trinken geschafft habe, Linderung verschafft hätte. Andererseits vernehme ich in Zeiten der geringen Wasseraufnahme einen Druck an den Nieren, den ich nicht zu deuten weiß.
Beschallung
Wie üblich wird auch irgendwann der Fernseher im vorderen Bereich der Sitze eingeschaltet, kommt mit seinem Ton, aber nur dünn bei mir an. So bekomme ich auch die Ansprache des Sicherheitsfilms nicht mit, der nach jedem Ablegen in drei Sprachen gezeigt wird und das Verhalten auf dem Schiff bei Notfällen beschreibt. Es gibt auch Untertitel, aber die sind zeitweise in weißer Schrift auf hellem Untergrund und trotz dunkler Umrandung nicht zu lesen. Bizarrerweise gab es dieses Mal auch Musik. Aus irgendeinem der Lautsprecher an der Fensterfront, irgendwo hinter mir links, wurde Musik abgespielt, parallel zum Fernseher, so dass ich von beidem was hatte.
Die Fähre startete erfahrungsgemäß noch recht dünn besetzt. Der erste Halt ist in derselben Nacht in Teneriffa und am nächsten Vormittag in Gran Canaria. Fuerteventura und Lanzarote folgen dann in der anschließenden Nacht und erst mit den letzten beiden Inseln wird das Schiff voll. Den vernehmbaren Sprachen nach zu urteilen, waren dieses Mal sehr viele Spanier und wenig andere Nationen vertreten. Sonst sind oft auffällig viele Deutsche an Bord, aber auch Engländer und Franzosen und vereinzelt andere Europäer.
Nachtwache
Ich blieb den Rest des ersten Tages an meinem Platz und schlief, schlummerte, döste. Irgendwann begab ich mich dann wieder in die Senkrechte; dieses Mal auch mit Schlafsack und bereit die Nacht hinter mich zu bringen. Draußen war es dunkel, nach 22 Uhr. Es dauerte erneut nicht lang, bis mich ich vom bereits bekannte Wachpersonal geweckt wurde und den Hinweis erhielt, dass ich mit dem Liegen zu warten habe bis das Licht erlischt. Zu dem Zeitpunkt verstand ich aber nicht genau, was er mir mitteilen wollte, bedankte mich und legte mich kurz nach seinem Verschwinden wieder hin.
Seine Runde hatte er aber offenbar schnell abgeschritten und ermahnte mich kurze Zeit später erneut. Der Typ war immerhin stets ruhig, freundlich und friedlich. Ich wand ein, dass es doch Nacht sei und ragte, um wie viel Uhr denn geschlafen werden würde, woraufhin er mir aber auch keine klare Angabe machen konnte. Es war sehr absurd.
Nun ja, irgendwann erloschen die Lichter, wobei vereinzelte immer noch in unveränderter Stärke leuchten. Aber das kannte ich schon. In der gewählten Sitzreihe kann ich so liegen, dass sie mich gerade nicht anstrahlen.
Die Nahrungsversorgung
Am nächsten Morgen ging es mir noch nicht wirklich besser. Am Frühstücksbuffet holte ich mir meine Ration ab und verzehrte sie. Inzwischen werden keine Striche mehr auf dem Ticket vermerkt, sondern es gibt Voucher mit genau so vielen Feldern wie es auch Essenszeiten während der Fahrt gibt. Dazu die Angaben welche Mengen an Portionen und Getränken damit erhältlich sind. Ich nahm wie auch zu allen anderen Gelegenheiten einen Apfel, eine Birne und eine Orange, so wie zwei kleine Flaschen Fruchtsaft bzw. Wasser. Ob das nun ein angemessener Ausgleich für die stattdessen erhältlichen Teller voller Frühstück bzw. Salat, warmem Gericht und Nachtisch war, stelle ich zwar in Frage, aber es reichte mir. Ich stockte damit meinen Reiseproviant auf, da ich das meiste davon ja nicht sofort zu mir nahm. Ich aß und trank wie geplant nur morgens, den Rest des Tages nichts. Nicht einmal Wasser. Hunger kam kaum auf und Appetit war auch nicht vorhanden. Interessanterweise verursachte mir während der Seekrankheit sogar die Vorstellung Früchte zu essen Übelkeit und Ablehnung, während ich mit dem Essen von Brot oder gekochten Speisen gedanklich Wohlbefinden verband.
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Der Angestellte, der am Ende des Buffets stand und sowohl die Früchte und Getränke aushändigte, wie auch die Voucher abhakte, fragte mich bereits beim ersten Mittagessen, bei dem ich nur Obst verlangte, ob ich Vegetarier sei, was ich der Einfachheit halber bejahte. So prägte ich mich ihm schnell ein und er wusste immer sofort, was ich wollte und konnte mich schnell abfertigen. Ich verfeinerte meine Aussage später noch in soweit, dass ich klarstellte momentan Früchte zu bevorzugen.
Seekrank
Ich hatte die Idee das Schiff während des Aufenthaltes in Las Palmas de Gran Canaria vorübergehend zu verlassen, haderte aber aufgrund meines Befindens. Als es mir gegen 11:30 Uhr soweit wieder gut ging und ich an Land gehen wollte, wurde mir dies verweigert. Zwar legt die Fähre erst um 14 Uhr wieder ab, aber bis 12 Uhr sollten alle Fahrgästen wieder auf dem Schiff sein. Und so blieb ich eben doch, was aber nicht weiter dramatisch war. Ein wirkliches Ziel hatte ich nicht.
Die Internetverbindung auf dem Schiff ist weiterhin nur gegen Gebühr für wenigen Stunden möglich und so nahm ich sie nicht in Anspruch. Ich begab mich dennoch mit meinem Netbook an einen Tisch im Speiseraum, der auch allgemein Aufenthaltsraum ist, um Strom zu tanken und bequemer daran schreiben zu können. Doch nach nur wenigen Minuten musste ich mich schnellen Schrittes zur Toilette begeben und mich übergeben. Mein Magen war allerdings schon leer. Ursache waren nicht die voran gegangenen Kopfschmerzen, sondern Seekrankheit, in die sie übergangen sind. Es dauerte nicht lange nach meiner Rückkehr an den Tisch, da lief ich erneut los und so entschied ich mich, mich wieder hinzulegen. Und so verbrachte ich auch den Rest des Tages.
Es heißt zwar, dass Reisekrankheit allgemein durch die unterschiedlichen Sinneseindrücke, die das Gehirn erhält, ausgelöst wird, aber im Liegen kann ich immerhin die Übelkeit unterdrücken. Der Gleichgewichtssinn im Ohr meldet Bewegung, die Augen, die um sich herum nur Ruhendes sehen, melden Stillstand. Das Gehirn geht von einer Störung aufgrund von Vergiftung aus und sorgt erst einmal dafür, dass alles rausfliegt, egal ob überhaupt etwas drinnen ist.
Erfreulicherweise gab es nun keine Liegeverbote mehr. Ich versank in die mir schon mit Seekrankheit bekannte Lethargie und lag einfach nur da. Wach, regungslos, motivationslos, ziellos, emotionslos, zeitlos. Ein eigenartiger Zustand. Keine Lust irgendwas zu machen, weder lesen noch schauen, geschweige denn schreiben, nicht einmal hören. Es würde schon vorüber gehen. Zu meinen wenigen Gedanken gehört auch derjenige mir vorzustellen, wie ich in wenigen Tagen in Flores de Vida seien werde und daran zurückdenken würde, wie unangenehm es auf der Fähre war und wie blass die Erinnerung dann noch wäre.
Verbesserung
Auch das gezielte Schauen auf den Horizont oder an Deck gehen, wo es kalt und windig war, sorgte nicht für Verbesserung. Irgendwann war ich immerhin wieder soweit mich zu unterhalten und abzulenken, indem ich mir zum zweiten Mal, über den ganzen Verlauf der restlichen Überfahrt, Qualityland (Zeitungsartikel, Lesung) anhörte. Ein großartiges Hörbuch. Nicht nur gefällt mir die Handlung und wie amüsant Gesellschaftskritik und Wissen um aktuelle, technische Entwicklungen darin eingearbeitet sind, sondern auch die vielen Anspielungen und Referenzen. Das ganze auch noch vom Autor selber vorgetragen mit passenden, unterschiedlichen Stimmen.
Gegend Abend begann ich auch wieder unterschiedliche Videos zu schauen, die ich noch ungesehen auf der Festplatte hatte. Dazu saß ich dann auch an anderer Stelle, um nebenbei Strom zu bekommen. Ansonsten war ich nur zu den beiden Essenszeiten kurz auf den Beinen. Ich machte mir bereits Gedanken darüber, wann und wie ich meine Suche nach der Mitfahrgelegenheit angehen würde. Zeit wäre noch genug und so plante ich am Sonntag die Passagiere anzusprechen, nachdem sie gegessen hätten und den Speisesaal verlassen würden. (Ich glaube ich muss das Kapitel über den korrekten Gebrauch des Konjunktivs noch ein drittes Mal lesen, um es zu verinnerlichen.)
Am Sonntag ging es mir schon deutlich besser. Zwar fehlte mir weiterhin der Antrieb mein Vorhaben umzusetzen, während der Überfahrt reichlich zu schreiben und schaute mir stattdessen nur passiv Filme an, aber mir war nicht mehr übel. Es gab auch keine Ermahnung mehr über die Nutzung der Sitze.
Das Problem mit der Hilfsbereitschaft
Ein paar Reihen vor mir befand sich ein junges, spanisches Paar mit ihrem Baby, dass mehrmals längere Zeit weinte. Ich empfand es nicht als störend oder unangenehm im akustischen Sinne – es war kein Schreien – sondern in Hinsicht auf meine Hilf- oder eher Ratlosigkeit. Mir ist die einmal gehörte Aussage, dass die Verantwortung für ein weinendes/schreiendes Kind nicht bei den Eltern oder strenger gefasst bei der Mutter liegt, sondern bei demjenigen, der es hört/wahrnimmt.
Ich überlegte mehrmals, ob ich aufstehe und anbiete zu helfen, indem ich es herumtrage, schaffte es aber mir mehr Gründe zurecht zu legen, es lieber nicht zu tun. Wie sollte ich mich auf Spanisch ausreichend verständlich machen. Ist es nicht eigenartig, wenn ein fremder Mann fragt, ob er dein Baby nehmen soll? Wirkt es vielleicht vorwurfsvoll und überheblich bis übergriffig? Und war ich dem Herumtragen in meinem Zustand überhaupt gewachsen?
Sie bekamen es letztendlich immer wieder alleine hin ihren Nachwuchs friedlich und liebevoll zu beruhigen. Es bot sich auch sonst keiner helfend an. Es beschwerte sich aber auch niemand.
Die Suche
Meine ansonsten schon dürftigen Tagebuchnotizen habe ich während der Überfahrt noch spärlicher erfasst und kann somit nur auf meine bereits schwindende Erinnerung zurückgreifen.
Sonntag Nachmittag jedenfalls setzte ich mich dann außerhalb des Passierraums in den Vorraum, von wo aus es zu den anderen Decks samt Kabinen geht und lauerte. Von dort aus bekam ich auch einen Eindruck über das Befinden der übrigen Passagiere. Auffällig viele gingen mit einer Körperhaltung und Mimik langsam umher, die alles andere als Wohlbefinden ausstrahlte. Einige waren mit schnellen Schritten und dicken Wangen Richtung Toilette unterwegs und die anschließenden Geräusche vervollständigten das Bild. Später am Tag entleerte sich jemand in Höhe meiner Sitzreihe, allerdings auf dem Außengang, hinter der Trennwand. Er hatte es nicht rechtzeitig geschafft, dann aber auch dort zu Ende gebracht, was er unbeabsichtigt gestartet hatte. Die Besatzung war schnell aufmerksam und reinigend tätig gewesen.
Die erste Person, die ich ansprach, war ein Franzose, der mit dem Motorrad unterwegs war und somit ausschied. Bereits mein zweiter Kontakt, ein Spanier, bot mir an mich in seinem Lieferwagen bis Valencia mitzunehmen, was mich direkt zu einer Zusage bewegte und der Absprache uns am Montag um 11 Uhr an der Rezeption zu treffen.
Die Vorstellung für ein paar Stunden spanischer Konversation ausgesetzt zu sein, hatte ihren Reiz. Und von Valencia aus ist es nicht mehr weit und in der Regel kann ich von dort gut nach Norden weiterreisen. Vorausgesetzt ich bin bereits auf der (Maut-)Autobahn. Ich wusste nach dem kurzen Gespräch natürlich nicht, wohin genau der Fahrer steuert. Ich setzte meine Suche also fort. Auch deshalb, weil nicht ausgeschlossen war, dass jemand noch weiter nordöstlich und sogar bis Frankreich oder Richtung Deutschland fährt.
Ich war allerdings wählerischer. Auch ohne die Bedingungen meiner bereits gefundenen Mitfahrgelegenheit zu kennen, sprach ich Leute erst gar nicht an, die ich als Raucher identifizierte. Auch Spanier, vor allem die älteren, Paare, mied ich mit der Annahme, dass sie nicht weit und nicht zügig fahren würden. Ich fand noch deutsche Camper, die sich auch vorstellen konnten mich mitzunehmen, aber vorhatten langsamer unterwegs zu sein.
Ich schwankte zunehmend damit weiter zu suchen, da mich mein schneller Treffer schon weit voran bringen würde und verließ deshalb meinen Suchplatz, ging in Richtung Speisesaal und warf dort einen Blick hinein. Knapp vor mir erhob sich gerade jemand von seinem vollzogenen Mahl und aufgrund seines Aussehens, dass nördlicher als Spanien wirkte, fragte ich ihn auf Englisch, woraufhin er schnell fragte auf Deutsch ausweichen zu können.
Ich begegnete also Atze aus Lüneburg, der seinen Camper dorthin, an seinen ehemaligen Wohnort, bringen wollte und mich mitnehmen würde. Seine Route würde am Atlantik entlang, also westlich um die Pyrenäen führen, aber zu einem Schlenker über Zaragoza wäre er bereit. Das erschien mir als Verbesserung zu Valencia und so sagte ich zu und bat ebenfalls um ein Treffen am Montag um 11 Uhr. Dem spanischen Reisenden würde ich bei nächster Gelegenheit absagen, den anderen Deutschen teilte ich bereits meine Entscheidung mit. Ich verbrachte den Rest des Tages entspannt mit dem Schauen von Filmen.
Ein hinter mir sitzender Spanier, der meine Suche mitbekam, fragte mich nach meinem Ziel und bot mir an mich bis Madrid mitzunehmen. Mit dem Hinweis auf meine bereits gefundenen Möglichkeiten, lehnte ich dankend ab.
Alle Mann von Bord
Am letzten Morgen trat der Schiffsheriff nochmals in Aktion. Dieses Mal allerdings zuerst bei anderen Reisenden. Es blieb noch genug Zeit bis zum Anlegen und Verlassen des Schiffes, aber er hielt es für nötig noch schlafende Reisende in meiner Nähe zu wecken. Es waren zwei Männer, geschätzt jünger als ich und fließend Spanisch sprechend, vermutlich Spanier. Sie stiegen in eine hitzige Diskussion ein und machten ihren Unmut und ihr Unverständnis über das Vorgehen lautstark und verärgert klar. Soviel verstand ich. Ihr uniformierter Wecker verstand es weiterhin ruhig und bestimmt zu bleiben. Es erschloss sich mir allerdings nicht, ob und wie sie sich einigten.
Ich hatte meinen Schlafsack nach dem Aufstehen über die Sitze samt Rückenlehnen meiner Reihe ausgebreitet, um ihn vorm Verstauen etwas auszulüften, erhielt aber dann die Aufforderung aufzuräumen. Ich kam dem nach und packte sogleich all mein Zeug aufbruchbereit zusammen, ließ es aber am Platz, während ich selber in den Durchgangsbereich ging, in dem ich am Vortag nach Mitfahrgelegenheiten gesucht hatte.
Jammern hilft nicht
Zu dem stand meine Entscheidung fest der Fährgesellschaft endlich mal eine E-Mail zu schreiben. Bereits nach den letzten beiden Überfahrten hatte ich diese Idee, wobei es mir damals darum ging ein eher neutrales bis positives Feedback zu geben. Seit einiger Zeit mache ich mir die Mühe diverse Firmen, deren Produkte oder Dienste ich nutze, anzuschreiben und ihnen Rückmeldung über meine Erfahrung und Zufriedenheit zu geben und meist fällt diese gut aus. Viel zu oft bekomme ich mit wie Konsumenten vor sich hin schimpfen oder gegenüber anderen klagen, aber selber nicht dafür sorgen, dass ihr Unmut auch da ankommt, wo er überhaupt nur einen Effekt haben kann. Und da stillschweigende Zustimmung selten als solche zu erkennen ist, halte ich es auch für sinnvoll Bestätigung zu geben. Dasselbe passiert leider auch in der Kommunikation mit politischen Vertretern. Uns fehlt die Bereitschaft oder Ernsthaftigkeit, um unsere Meinung wirklich da Kund zu tun, wo es Sinn ergibt und wir meinen mit lauten Äußerungen in den Wind der Sache genüge getan zu haben. Im Falle trasmediterranea hatte ich es aber aufgrund der Tatsache auf spanisch eventuell noch auf Englisch schreiben zu müssen so lange aufgeschoben, bis es mir dann auch egal erschien. Parallel zu diesem Artikel hatte ich eine lange E-Mail auf Englisch verfasst, in der ich meinen allgemeinen Eindruck, meine Erfahrungen der letzten Jahre und mein jüngstes Erlebnis schilderte. Ich bot zwar an bei Bedarf eine spanische Übersetzung nachzureichen, erhielt aber bis heute keine Antwort. Eine Forderung meinerseits war allerdings auch nicht enthalten.
Auf dem Schiff herrscht durchgehend die kanarische Zeit, UTC+0, die dem Festland eine Stunde hinterher ist. Geplante Ankunft war somit 11 Uhr Bordzeit und 12 Uhr lokaler Zeit, was auch ziemlich genau hinkam. Ich traf bereits recht früh wieder auf Atze, der ebenfalls keine Kabine hatte, und wir begannen mit dem Kennenlernen. Mir begegnete auch der spanische Fahrer rechtzeitig, so dass ich ihm dankend absagen konnte.
Atze war mir einem zum Camper umgebauten, ehemaligen Rettungswagen unterwegs, der schon etwas in die Jahre gekommen war. Zwar sei er innen in Ordnung, aber habe zum Beispiel Startschwierigkeiten, wenn der Motor längere Zeit kalt sei, was er auch für das bevorstehende Verlassen der Fähre befürchtete. Er zwar optimistisch, dass er mich noch am Abend desselben Tages absetzen könne und bis zur Grenze kommen würde, jedoch brachte er seinen Wunsch hervor auf der Strecke einen Zwischenstopp einlegen zu wollen, um ein Hostel zu besuchen, in dem er das Jahr zuvor mehrere Tage verbracht habe. Eingeleitet mit der Frage “Du hast es ja nicht eilig?”. Auf die ich ebenso wenig überraschend antworten kann wie “Stört es dich, wenn ich rauche?” Denn Raucher war er.
So kamen also während des Kennenlernens und Wartens immer wieder die Zweifel in mir auf, ob ich eine gute Entscheidung getroffen habe. Und jedes Mal beantwortete ich sie mir überzeugter damit, dass ich eine Möglichkeit gefunden habe ohne weiteren Aufwand meinem Ziel sehr nahe zu kommen, mich gut verständigen konnte und alles andere Nebensächlichkeiten sind, selbst wenn ich mit seinem Musikgeschmack, den er aufgrund meiner Gitarre andeutete, konfrontiert werden würde.
Die Frage nach dem Rauchen beantworte ich immer ehrlich damit, dass ich nicht rauche, mich der Qualm stört, aber ich nicht die Erwartung habe, dass jemand, der mir einen großen Gefallen tut, darüber hinaus sein Verhalten meinen Befindlichkeiten anpasst. Dennoch nimmt fast jeder Rücksicht, indem er schnell zum geöffneten Fenster hin raucht.
Durch Spanien
Wir gehörten mit zu den letzten, die das Schiff verließen, da sich Atze nicht daran erinnern konnte, ob er auf dem ersten oder zweiten Deck geparkt hatte und wir die entsprechende Durchsage abwarteten. Tatsächlich gab es die nur für die Decks 3 bis 5, welche allerdings auch die einzigen für die Autos genutzten waren und sich somit das vierte als zweites herausstellte.
Wieder Startschwierigkeiten
Und es kam wie vorhergesagt; das Auto sprang nicht an. Trotz meiner Zündversuche, während Atze den Motor mit Starthilfspray behandelte, kam die Maschine nicht in Gang. Mit dem Fahrer des durch uns zugeparkten Wohnmobils schob ich Atze in seinem Wagen bis zur Rampe der Fähre und dann ein Stück hinunter. Auch hier traf Atzes Vorhersage ein, dass der Schwung die nötige Starthilfe gab und wir losfahren konnten.
Eine Überprüfung durch die Hafenpolizei blieb uns erfreulicherweise erspart. Vereinzelt und scheinbar zufällig werden Fahrzeuge zur oberflächlichen wie intensiven Kontrolle zur Seite gewunken. Wir aber verließen sowohl das Hafengelände als auch Cádiz ziemlich zügig.
Den Weg sollte uns Atzes Smartphone weisen, jedoch fehlte sowohl eine Halterung für dieses selber als auch für das Ladekabel. Der Akkustand war niedrig und das vorhandene Kabel nicht passgenau, so dass der Stecker am Gehäuse immer wieder heraus rutschte. Wir begannen etwas improvisiert, in dem ich Smartphone und Kabel hielt.
Nach einigen Kilometern verließen wir die Straße für einen ersten Halt. Atze führte ein Telefonat, während ich die Seitenscheiben und Rückspiegel reinigte. Anschließend fanden wir einen Weg das Telefon und Ladekabel mit Gewebeband und mittels des Aschenbechers zu fixieren. Atze hatte die Adresse des Hostels herausgesucht und als nächstes Ziel eingegeben.
Durch die Gegend
Wir setzten unsere Unterhaltung sporadisch fort, tauschten uns nach und nach über alles mögliche aus. Wie ich es in Erinnerung hatte, waren die Straßen ziemlich leer. Die ganze Gegend ist ziemlich weit und zersiedelt und das zieht sich auch so bis Madrid. Abgesehen von den Städten auf der Strecke, führt die Autobahn, die stellenweise eher einer deutschen Landstraße ähnelt, die meiste Zeit schnurgerade durch eine flache, kahle, zumindest baumlose Ebene. Der Blick reicht in alle Richtung bis weit in die Ferne. Das Wetter war angenehm, leicht wolkig, so dass es im Auto nicht heiß wurde. Zum Abend hin streiften wir eine Unwetterfront. In der Ferne waren dicke, schwarze Wollen und Blitze zu sehen, wir bekamen maximale kurzzeitig einige Tropfen ab.
Das Autoradio war auch nicht mehr einwandfrei und es gelang nicht Musik in angenehmer Lautstärke abzuspielen, die nicht in den Fahrgeräuschen unterging. Atzes Fahrweise war angenehm, er hielt sich im Grunde an die vorgegebenen Geschwindigkeiten, obwohl er auch hätte schneller fahren können. Die innerhalb von fünf Minuten gerauchte Zigarette jede Stunde machte mir auch keine Probleme.
Das Hostel lag immerhin auf dem Weg, auch wenn wir dorthin auf einer ausschweifenderen und weniger ausgebauten Parallelstraße zur Autobahn fuhren. (Zu dem Zeitpunkt dachte ich mir noch, dass ich mir den Ortsnamen merken könnte, um ihn später zu erwähnen und die Route nachzuschauen, aber zum Zeitpunkt dieser Niederschrift habe ich keinerlei Erinnerung mehr und kann sie auch durch Betrachtung der Landkarte nicht erwecken.) Als wir dort eintrafen, wirkte alles sehr verlassen und verschlossen. Allerdings war Atze davon nicht überrascht und ging davon aus, dass das Hostel erst zum Nachmittag öffne und wollte so lange warten.
Ich stieg aus, um einen genaueren Blick zu wagen. Die Veranda machte den Eindruck schon länger nicht mehr genutzt worden zu sein. Fenster und Eingang waren vergittert und das was sich im Inneren erkennen ließ, sprach auch nicht für kurzzeitige Schließung. Ich konnte Atze mittels diverser Indizien davon überzeugen, dass es vergeblich sein dürfte auf eine heutige Öffnung zu warten. Auch ausbleibende Reaktion auf unser Rufen und Bemerkbarmachen am Nachbargebäude, welches das Wohnhaus der Besitzer sei, blieb erfolglos und so fuhren wir weiter. Dieses Mal mit dem Ziel Zaragoza.
Als wir das erste Mal zum Tanken hielten, begegneten wir dort dem Spanier mit Ziel Madrid, der ebenfalls seinen Van betankte und dem motorradreisenden Franzosen, der seinen Proviant genoss. Das besänftigte mein sowieso unnötiges Gefühl viel Zeit verloren zu haben. Besonders auf diesen langen Autofahrten durch Spanien kommt mir immer mal wieder in den Sinn wie hilfreich es für mich wäre, wenn ich mehr Fahrpraxis hätte und selber einen Teil der Strecke fahren könnte, also im Wechsel. Das würde dem Fahrer einen deutlichen Zusatznutzen bringen. Gerade diese Strecken bieten sich für einen Fahranfänger bzw. Wiederanfänger wie mich an, da sie vergleichsweise leer, geradlinig und übersichtlich sind. Es passiert nicht viel und somit sind eine konstante Geschwindigkeit möglich und wenig Schaltvorgänge nötig. Ich ging sogar darauf ein, es wagen zu wollen, aber Atze wollte aufgrund der Eigenwilligkeiten seines Fahrzeuges davon absehen.
Die weitere Fahrt verlief unspektakulär und ruhig. Unsere Gespräche wurden kürzer und weniger. Wir stoppten nur zum Tanken samt Toilettengang. Atze holte sich nur einen Snack, den er nebenbei aß, ich blieb dabei nichts außer gelegentlich einen Schluck Wasser zu mir zu nehmen. Die Vorausberechnung des Navigationssystems zeigte ein Erreichen des Ziels nach 22 Uhr an und so später der Abend wurde, so kühler wurde es auch, so dass ich irgendwann von meiner kurzen Kleidung in lange Hose und Pulloverjacke wechselte.
Kaltes Ende
Mir war noch nicht ganz klar, wann, wo und wie ich die Nacht verbringen würde. Es hinge auch davon ab, wo ich aussteigen würde, ob ich mir einen Schlafplatz oder eine weitere Fahrt suchen würde. Mit zunehmender Stunde verließ Atze mehr und mehr die Motivation seiner Zusage treu zu bleiben und den Umweg über Zaragoza zu nehmen. Er bat mich darum mich bereit vorher absetzen zu können, um dem direkten Streckenverlauf seiner Reiseroute folgen zu können.
Obwohl mir die Diskrepanz zu seiner ersten, vollmundigen Aussage auf der Fähre in den Sinn kam, fühlte ich mich damit wohl. Nach Betrachtung von Navigationssystem und meiner Straßenkarte ergab sich für mich sowieso, dass der Weg von unserem aktuellen Standort aus in Richtung meines Bestimmungsortes nicht zwangsläufig über Zaragoza führen muss und ich stellte mir vor dort einen schwierigeren Neustart zu haben.
So versuchte ich mittels der Straßenschilder und den Karten einen passenden Rasthof ausfindig zu machen und achtete dabei vor allem auf einen, der 24 Stunden geöffnet hat, was den Hinweistafeln entlang der Fahrbahn erfreulicherweise zu entnehmen ist. In der Regel steht dort die Entfernung zum nächsten und übernächsten Rasthof, dazu deren Öffnungszeiten und mit Symbolen gekennzeichnet die Grundausstattung wie Tankstelle, Restaurant, Imbiss, Hotel etc.
Ich brauchte nicht lang, um meine Wahl für einen Rasthof namens Algora Area 112 zu treffen, wobei Algora der dazugehörife Ort ist und die 112 einfach für den Streckenkilometer dieser Autobahn steht. Soweit ich es beurteilen konnte, war es der letzte mit oben genannten Kriterien, der sich vor dem Streckenteil befand, an dem sich unsere Wege in Anbetracht der Richtung trennen würden. Dort angekommen, verabschiedeten wir uns recht schnell. Es war gegen 23 Uhr. Es war verdammt kalt, so dass ich direkt nach innen ging.
Mit dem Kopf auf der Tischplatte
Es war ein einziges, großes, flaches Gebäude mit mehreren abgegrenzten Bereichen. So gab es den Eingangsbereich, der zu den Toiletten und Duschen führt, den Tankstellenladen, einen Buffetbereich und Speisesäle für Nichtraucher und Raucher. Es war angenehm warm und leer. Vereinzelt kamen immer mal wieder Reisende hinein. Neben dem Kassierer für die Tankstelle, befanden sich im gastronomischen Teil vier Angestellte, alles Frauen.
Nachdem ich mir innen einen Überblick verschafft hatte, lud ich meine Sachen an einem Tisch im ansonsten leeren Speisesaal ab und ging nochmals nach draußen. Ich suchte nach Übernachtungsmöglichkeiten, sichtete also die unmittelbare Umgebung um einen Platz für mein Zelt zu finden. Mir wurde beim Umrunden des Gebäudes allerdings sehr schnell klar, dass ich bei den Temperaturen, selbst wenn ich mich in mehrere Lagen einpacken sollte, keine angenehme Nacht verbringen würde. Ich nutze mein Thermometer, um herauszufinden, dass es tatsächlich 0° C waren. “Ich war zu früh aufs Festland zurückgekehrt”, kam mir nur halb ernst gemeint in den Sinn.
Zwar hatte ich das Personal begrüßt, aber sonst nichts weiter geäußert. Ich war mit meinem großen Rucksack, meinen kleinen Rucksack, meiner kleinen Gitarre und einer Einkaufstasche eingetreten, schien aber kein großes Interesse auszulösen. Auch, dass ich mich wie selbstverständlich dann an einem der Tische niederließ, mein Netbook an eine Steckdose anschloss, führte zu keiner Reaktion. Die Zugangsdaten fürs Wifi waren ausgehängt und so verschaffte ich mir nochmals online einen Überblick über meine weiteren, möglichen Routen.
Weder schien es ein Problem zu sein, dass ich nichts dort konsumierte, noch dass ich dort saß, wo kurz darauf eine der Angestellten durchwischte. Sie entschuldigte sich sogar dafür mich damit zu stören.
Ich sah davon ab die Reise in derselben Nacht fortzusetzen. Ich zog nicht in Betracht jemanden finden zu können, der mich mit Gewissheit an einen mindestens genauso angenehmen Ort bringen würde. Ich überlegte, ob ich nicht einfach in den Räumlichkeiten schlafen könnte. Es gab einen durch Glaswände abgetrennten, nicht beleuchteten, weiteren Speisesaal, der allerdings der Raucherbereich war. Ich vergewisserte mich nicht, nahm aber an, dass es darin entsprechend riechen würde. Auch beobachtete ich, dass eine der Angestellten dort ihre Raucherpause machte.
Mit der Idee mich einfach in einer Ecke des offenen Bereiches auf dem Boden einzurichten, fragte ich die Angestellten etwas wage, ob es einen Platz gebe, an dem ich die Nacht verbringen könnte, da es draußen zu kalt sei. Sie verneinten bedauernd, woraufhin ich mich zurück an meinen Tisch begab bzw. von diesem, im Ausgangsbereich befindlichen, an einen anderen, in einer Ecke stehenden umzog.

Da ich mich weiterhin nicht dazu aufraffen konnte nachzufragen, ob es in Ordnung wäre auf dem Boden zu schlafen, beugte ich mich einfach über den Tisch auf mein Kissen und versuchte so Schlaf zu finden. Irgendwann zog ich mir meinen Schlafsack über, weiterhin auf dem Stuhl sitzend. Auch wenn der gesamte Raum beheizt war, war es am Fenster, wo ich saß, kühl – verstärkt durch meine Müdigkeit – so dass ich es mir so gemütlich wie möglich machte und trotz Beleuchtung, laufendem Fernseher und Geräuschen und Stimmen in nicht allzu weiter Ferne etwas Schlaf fand.
Neuer Tag, neues Glück
Ich wachte mehrmals auf, schlief aber auch einige Stunden, so dass ich gegen 6 Uhr morgens entschied mich wieder auf das Weiterreisen vorzubereiten. Ich packte alles zusammen und setze mich wieder an den Ausgang, so dass ich Besucher vorm Verlassen des Gebäudes ansprechen konnte. Eine der Angestellten kam mit einer Tasse auf mich zu und bot mir einen Kaffee an, den ich bedauernd und dankend ablehnte, ebenso wie ihren Vorschlag mir stattdessen einen Kakao zu bringen.
Es war noch dunkel und draußen weiterhin kalt. Ich sprach die bereits vorhandene Kundschaft an, wenn sie nicht durch ihre Gruppengröße den Eindruck vermittelten keinen Platz zu haben, zum Beispiel mehrköpfige Familien. Unter den Einzelpersonen waren nur Angestellte auf dem Weg zu ihren in der Nähe befindlichen Arbeitsplätzen.
Ich nehme als erstes immer Kontakt in Spanisch auf, wenn ich nicht mitbekomme, welche Sprache die Person spricht. Ein junger Mann, den ich ansprach, versucht deshalb direkt eine andere Sprache zur Kommunikation zu finden, da wir beide kein typisch spanisches Äußeres aufwiesen. Er war ebenfalls Deutsch und bejahte meine Frage, was die Reiserichtung betraf, wollte aber erst klären, ob genug Platz im Auto sei, da er mit Kleinkind reiste.
Ich bereitete mich auf ein Weiterreisen vor, habe aber genug Erfahrung, um auch damit zu rechnen, dass noch eine Absage erfolgen kann. Nach einigen Minuten sah ich durch die Fensterfront des Restaurants einen Bulli vorfahren, mit dem zuvor angesprochenen Reisenden als Fahrer. Er winkte mir nickend zu und so verabschiedete ich mich dankend bei den Angestellten und ging in den noch dunklen und kalten Morgen hinaus.
Frau und Kind saßen auf dem Rücksitz und wir fanden noch ausreichend Platz, um mein Zeug zu verstauen. Ich selber setzte mich auf den Beifahrersitz. Die noch sehr junge Familie nutze die Elternzeit für eine gemeinsame Campingreise nach Südspanien und war nun auf dem Rückweg, wollte aber noch einen Aufenthalt nördlich von Lleida einlegen. Ich schaute also erneut in meine Straßenkarte und suchte den Ort als meine Ausstiegspunkt, der auf der Strecke zwischen Zaragoza und Lleida nach Süden Richtung Maella führt: Bujaraloz.
Die Fahrt verlief ruhig und angenehm. Das Kind schlief friedlich und anfangs auch die Mutter, so dass ich erst mit dem Fahrer sprach und erst später mit ihr. Wie so oft hatte ich nicht nach den Namen gefragt und der Austausch ergab sich auch nicht. Oder ich habe sie wieder vergessen. Die Unterhaltungen verliefen recht typisch. Ich erfuhr unter anderem die oben genannten Details und wurde selber interessiert zu meinem Lebensstil befragt. An der Strecke selber waren das Wetter und die Zeit interessant. Wie der Tag bei der eisigen Kälte in dieser eigenwillige Landschaft erwachte. Dazu fuhren wir durch eine Gegend mit unzähligen Windrädern auf beiden Seiten der Autobahn. Schon aus der Ferne war ich von der Menge am Horizont beeindruckt, aber sie dann überall um uns herum zu sehen, setzte noch einen drauf.
Alles gut gegangen

Bisher habe ich sie niemandem erzählt, nicht einmal erwähnt, da sie nicht repräsentativ ist und vermutlich dennoch zur unterschwelligen Angst vorm Reisen per Anhalter beiträgt. Und weil ich diesen Reisebericht nicht noch unnötig in die Länge ziehen, sondern doch endlich mal fertigstellen will, spare ich die dazugehörige Rückblende an dieser Stelle aus.
Wenn ich dran denke, dann mache ich einen Schnappschuss vom Moment, an dem ich mich irgendwo positioniere und dem Moment, in dem ich dann in ein Auto steige. So kann ich später anhand der Erstellungsdaten der Bilddateien die Dauer ermitteln. In diesem Fall waren es drei Stunden. Autos fuhren viele vorbei, es hielt aber nur das eine an.

Auch wenn ich nach Maella wollte, nannte ich den beiden spanischen Männern, die irgendwann anhielten Caspe, was der nächste Ort auf der Strecke und eine Station vor Maella ist. Sie sagten direkt zu und wir luden mein Gepäck ein. Dabei stellte ich auf Rückfrage direkt klar, dass ich eigentlich nach Maella wollte, woraufhin sie recht schnell auf Flores de Vida schlossen, was sie kannten. Nat’ konnte sie später jedoch auch mittels ihrer Namen und meiner Beschreibung nicht zuordnen. Viel habe ich mich mit ihnen auch nicht ausgetauscht. Sie haben sich weiter auf Spanisch unterhalten, das meist zu schnell und umgangssprachlich war, als dass ich viel verstehen konnte. Lediglich, dass der eine beim Telefonat mit seiner Freundin – so schlussfolgerte ich – davon sprach, die sie einen Anhalter aufgesammelt haben, der zu einer Hippie-Kommune wolle, was ein interessantes und unzutreffendes Bild ist.
Ein Spaziergang











