Eh bien, c’est le coup de pied !

Catégories Vie de tous les jours, publié le vendredi, 10. avril 2020, modifié: dimanche, 4. décembre 2022

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Tja, jetzt habe ich hier so lange nichts mehr veröffentlicht – außer Hinweise auf meinen Medienkonsum – und nun reihe ich mich auch ein ins Thema Nummer 1, das die einen anscheinend sehr beschäftigt und die anderen angeblich nicht mehr hören können. Und genau da will ich ansetzen und Grundsätzliches mit einbringen.

Das Stichwort Medienkompetenz macht ja schon seit Jahren die Runde und dennoch scheint es da viel Nachholbedarf zu geben. Ich bin mir bewusst, dass ich nicht unter normalen Umständen mit einem normalen Alltag lebe, dass ich kaum auf Straßen und in Geschäften unterwegs bin und keine Dörfer oder Städte aufsuche, um mir selber ein Bild machen zu können.

Doch trotz der Ferne vom alltäglichen Weltgeschehen oder vielleicht gerade deswegen, habe ich mir mit der Zeit einiges an Informationsquellen zusammengetragen, um darüber auf dem Laufenden zu bleiben, was so passiert. In der Regel hat es sich bewährt Dinge mit zeitlichem Abstand zu betrachten. Die meisten Ereignisse erfordern keine tägliche Beachtung und so reicht es sich nach Abschluss eine Zusammenfassung zu Gemüte zu führen.

Ich kann das Klagen über die Medien nicht nachvollziehen. Zum einen wehre ich mich schon fast aus Prinzip gegen Verallgemeinerungen, zum anderen sehe ich auch das als selbst gemachtes Problem. Wenn der Großteil der Medienkonsumenten nicht bereit ist (anständig) dafür zu zahlen und sich in einer Welt wohl fühlt, die auf Werbeverkauf basiert, dann ist es nicht verwunderlich, dass die damit verbundenen Mechanismen ausgeschöpft werden. Denn letztendlich ist es keinem zu verübeln, wenn er seinen Job macht, um damit Geld zu verdienen und nicht aus Idealismus. Soweit sind wir noch nicht.

Wir haben die Qual der Wahl, woraus sich eben auch ergibt sich einmal die Mühe zu machen eine eigene Auswahl zu treffen um eine eigenen Basis und Grundversorgung an Informationen zu haben und nicht erst im Ernstfall eine Suchmaschine zu befragen.

Eine aktuelle Einschätzung habe ich nicht, aber bereits Anfang Februar habe ich hier und da das rituelle Gejammer über die Medien vernommen, obwohl das objektiv nicht wirklich der Fall war. Auch das ist leider ein bekanntes Muster: statt unsere Annahmen regelmäßig mit der Realität abzugleichen, bedienen wir uns nur aus unseren Erfahrungen, aus der Vergangenheit und unterstellen der Welt, dass sie dem immer noch entspräche.

Was sich für mich als größtes Problem bei der Einschätzung von Informationen und Nachrichten darstellt, ist zum einen, dass seltener selber aktiv geschaut wird, sondern hauptsächlich von überall einfach nur weitergeleitete Meldungen zu Rate gezogen werden. Und nachweislich von Leuten, die höchsten die Schlagzeilen gelesen haben, mehr auch nicht.

Zum anderen und schwerwiegenderen ist die Sicht auf das Treiben in der Welt von Misstrauen und Zweifel verseucht. Auch eine Art Pandemie. Es mag reale Gründe in der Vergangenheit geben, aber auch viel Fiktion hat dazu geführt, dass wir sehr leicht bereit sind allen Institutionen und Autoritäten entweder Boshaftigkeit oder Dummheit zu unterstellen. Und das liegt auch wiederum an den Verallgemeinerungen, indem wir von Der Politik, Der Wirtschaft, Der Industrie etc. sprechen. Das sind alles keine eigenständigen Lebewesen. Das sind jeweils eine Menge von vielen unterschiedlichen und wechselnden Menschen, Individuen.

Wir leben in einer sehr komplexen Welt, in der vieles miteinander verwoben ist und von einander abhängt. Das vor Covid-19 vorherrschende Thema Klima zeigt das auf seine Weise, aber es trifft auch auf menschliche Gemeinschaften und Gesellschaften zu. Jeder weiß von sich selber wie unberechenbar wir sein können, wie soll da sinnvoll eine Prognose über das gleichzeitige Wirken von uns allen möglich sein?

Heute kann offenbar nichts mehr einfach nur passieren. Hinter jedem Ereignis, jedem Geschehen stecke irgendeine Absicht. Irgendeine tiefgründige Gemeinheit deren Opfer wir nun alle werden sollen. Mir fehlen die Worte mit Blick auf diese Absurdität. Schon allein zu meinen irgendjemand wüsste wie in dieser Welt ein neues, einmaliges und auch noch großes Ereignis eigentlich ablaufen müsste, lässt mich ratlos zurück.

Was sagt es über uns aus, dass wir von Misstrauen und Angst so durchsetzt sind, dass wir eher einem einzelnen Untergangspropheten Glauben schenken als denen, die dazu beitragen möchten unser Leben zu verbessern oder zumindest auf dem Stand zu halten.

Traurig und bedenklich wird es für mich, wenn sich das Ausmaß von fehlendem Grundwissen und tief sitzendem Zweifel sogar darin äußert, dass selbst ein Mindestmaß an wissenschaftlichem Verständnis fehlt und Angst dazu führt Humbug und Bullshit zu glauben.

Für mich ist bei einer Nachrichtenquelle immer die Grundhaltung und das Welt- und Menschenbild ausschlaggebend. Wenn die Argumentation damit beginnt den anderen dadurch zu diskreditieren, dass er niedere Absichten habe oder er vermeintlich freundlich als getäuscht dargestellt wird, dann läuten bei mir schon die Alarmglocken. Im Englischen gibt es den Ausdruck FUD für Fear, Uncertainty and doubt. Habe ich also erst einmal den bisherigen Referenzpunkt durch Angst, Ungewissheit oder Zweifel beseitigt, dann bleibe ja nur noch ich als neuer Bezugspunkt, der voller Hybris davon berichtet alles durchschauen zu können, verstanden zu haben und nun die leichtgläubigen Leute aufklären kann. Alle anderen irren sich oder konspirieren hinterhältig. Nur ich bin der einzig Gescheite und wenn du mir glaubst, gehörst du auch zu den Guten.

Die Dinge sind oft viel banaler. Und nichts ist gewöhnlicher als in einer Krise unliebsame und falsche Entscheidungen zu treffen. Das ist nur allzu menschlich, da nützt auch alle Erfahrung und die Größe der Verantwortung nichts. Das Allermeiste ist gut nachvollziehbar, wenn wir uns darauf einlassen, selbst wenn wir nicht zustimmen. Dieselbe Information führt nun einmal nicht zu denselben Schlussfolgerungen. Wenn wir aggressiv und mit Unterstellungen agieren, wo es auf Zusammenhalt und Zusammenarbeit ankommt, schaden wir mehr als das es nützt.

Um das auf Covid-19 runter zu brechen: Natürlich bleibt uns allen nur zu spekulieren. Wir können beobachten und Daten sammeln, rechnen, Modelle entwerfen, abwägen, aber haben dazu eben nicht alle Mittel und Zeit zur Verfügung, um die perfekte Entscheidung zu treffen.

Sind vorübergehende Kontaktverbote und Ausgangssperren wirklich zu übertrieben? Oder können das nur Leute sagen, die nicht betroffen sind? Was ist das bitte für ein Preis im Vergleich zu einer sehr unangenehmen Erkrankung mit Todesfolge? Diese Zeit, die nun unser Leben auf den Kopf stellt, wird rückblickend verschwindend kurz sein und im besten Falle viel Positives bewirken, wenn wir sie menschlich angehen und nicht misanthropisch. Und immerhin haben damit mehr Menschen dieses Leben noch.

Es ist ja nicht nur so, dass wir weder wissen, ob eine einmal gewonnene Immunität von Dauer ist, noch ob das auch harmlose Durchlaufen der Krankheit zu Schäden Jahre später führen kann (wie z. B. bei den Masern), sondern auch ein Risiko durch zu viele Infektionen die Wahrscheinlichkeit einer für uns nachteiligen Mutation zu erhöhen, was zu neuen Übertragungswegen, längerer Lebensdauer außerhalb des Menschen, Übertragbarkeit auf Tiere, schweren Symptomen usw. führen könnte.

Wir haben eine Situation, die die Weltgemeinschaft herausfordert. Es zeigen sich weiterhin, im Großen wie im Kleinen, dass nur auf sich geachtet wird, aber auch kollaboriert. Ereignisse wie dieses verstärken die jeweiligen Charaktereigenschaften, können sie aber auch ändern. Da stellen Politiker einmal Menschenleben vor das Wohl der Wirtschaft und nun ist auch das nicht in Ordnung. Interessanterweise wissen auch immer genau diejenigen alles besser, die nicht direkt betroffen sind, sondern nur unter den Auswirkungen leiden, die soziales Verhalten erfordert. Oft eben das Zurückstecken der eigenen Privilegien.

Das was jetzt an Einschränkungen passiert sehe ich als Bruchteil von dem, was eigentlich schon längst mit Hinblick auf die Klimasituation hätte erfolgen müssen. Und wir sehen ja, was alles möglich und umsetzbar ist. Wir haben nun ein großes Momentum um Routinen, Bräuche und Abläufe zu hinterfragen, die wir verinnerlicht und übernommen haben ohne sie in Frage zu stellen. Destruktives Aufwiegeln zur Befriedigung der eigenen Hirngespinste ist keine Krisenbewältigung. Zeit sich spätestens jetzt sinnvoll einzubringen.

Es zeigt sich immer wieder, dass unser Wirtschaftssystem und damit verbunden auch unser Gesellschaftssystem der Realität nicht gewachsen ist. Es ist fragil und gerät durch seine eigene Struktur(Finanzkrise), durch menschliche Einwirkung (Krieg, Klimaveränderung -> Migration) oder andere natürliche Vorkommnisse (Klimaveränderung, Katastrophen, Krankheiten) immer wieder in Situationen, die viele Existenzen bedrohen und bei deren Bewahrung und Rettung immer noch viele Existenzen geschädigt oder vernichtet werden. Und leider trifft es in dem meisten Fällen diejenigen, die am wenigsten Einfluss haben und dazu beigetragen haben, während diejenigen, die profitieren auch diejenigen sind, die für ein Fortbestehen plädieren.

Maßnahmen, die getroffen wurden um Menschenleben und Gesundheit zu schützen und zu bewahren, sollten nur verändert werden, wenn sie diesen Zweck nicht mehr erfüllen oder für diesen Zweck nicht mehr notwendig sind, aber nicht weil irgendein änderbares, willkürliches und abstraktes Konstrukt wie Wirtschaft gefährdet sei. Wenn der Zusammenbruch der Wirtschaft Menschenleben fordern könnte, dann gilt es nicht diesen Crash zu verhindern, sondern uns der Herausforderung zu stellen ein besseres Modell für ein gutes Leben auf diesem Planeten zu erarbeiten.

Den Blick auf die Wirtschaft zu fokussieren ist verständlich, weil das die stärkste und bei manchen vielleicht auch einzige Prägung und Idee ist, das Leben zu führen, aber sie ist überholt und in Gänze unmenschlich. Selbst wenn sie in der Vergangenheit sinnvoll gewesen sein mag, sie ist es nicht mehr. Sie genügt nicht den Ansprüchen, die wir selber an uns und das Leben stellen können und sollten.

Und um nochmals auf diese ganzen Verschwörungsmythen und Pseudowissenschaften zu kommen. Es zeigt sich wunderbar, dass die Ideologien der Bewertungsmaßstab sind und nicht die Realität. Es geht darum das Bild aufrecht zu halten, dass wir als einfache Menschen Spielbälle seien und alle Schuld für unser Schicksal bei Anderen liege, der unsichtbaren, unbekannten Übermacht. Egal was passiert, alles ist Teil eines Plans. Ich glaube da nimmt sich jemand zu wichtig. Sagt man den Leuten 5G sei ungefährlich, dann ist es gefährlich. Sagt man den Leuten Covid-19 sei gefährlich, dann ist es ungefährlich. x-Tausend Experten sind bedeutungslos, aber es ist wichtig, dass die eine Person, die eine abwegige Meinung hat, Experte (in irgendeinem Gebiet) sein muss. Richtig sind nur die Einschätzungen, die dem eigenen Bild entsprechen. Meinungen, die nicht darauf ausgelegt sind, sich ändern zu können, sondern nur darauf beruhen irgendwo dagegen zu sein, lohnen sich für mich nicht beachtet zu werden.

Wir haben eine reale Gefahr vor uns, die aber keine Angst verursachen muss, da wir sie mit einfachen Verhaltensweisen bewältigen können. So wie wir das Rauchen verboten haben und das Anschnallen im Auto zu einer Pflicht gemacht haben – beides hoffentlich inzwischen mit großer Zustimmung und Einsicht – so drängen wir jetzt darauf, dass wir uns eine Zeitlang umsichtig und räumlich distanziert halten, bis wir andere Mittel und Wege finden der Lage besser zu begegnen.

Abschließend will ich noch Einblick in meine Informationsquellen geben.
Während der Zeit, in der ich auf La Palma bin schaue ich regelmäßiger als sonst in die Meldungen der Inselverwaltung und die der Kanarenregierung. Ein Blick in die regelmäßig, aktualisierten Zahlen zur Krankheit hat mich bislang zusätzlich beruhigt, da im Norden, wo auch ich mich befinde, noch keine Infektion aufgetaucht ist.

Auch wenn ich mich selber nicht als Risikogruppe sehe, betrachte ich mich als potentiellen Überträger. Seit bald vier Wochen meide ich Umarmungen und halte Distanz zu den wenigen Freunden und Bekannten, die uns auf der Finca gelegentlich besuchen. Bis auf drei Spaziergänge habe ich das Gelände in dieser Zeit nicht verlassen. Ich weiß, dass ich mich in einer sehr privilegierten Position befinde, da meine Versorgung auch indirekt nicht von Erwerbsarbeit abhängt. Aus Solidarität und der Überzeugung, dass die derzeitigen Maßnahmen sinnvoll sind, halte ich mich an die Vorgaben und sehe sie auch als Herausforderung und Erfahrung.

Ebenfalls seit einem Monat überfliege ich beinahe täglich den Ticker von SWR 3. Vermutlich aus alter Verbundenheit hatte ich dort vorbei geschaut und bin mit dem Angebot zufrieden. Zusätzlich bin ich auf den Podcast des NDRs aufmerksam geworden und schaue mir dort zumindest an, worum es inhaltlich geht. Einzelne Folgen habe ich mir bereits angehört.

Für mich ist auch die Hauptseite der Wikipedia eine tägliche Anlaufstelle, was Nachrichten betrifft. Längst gibt es dort auch einen eigenen Bereich für alles zum Thema Covid-19. Außerdem gehört schon sehr lange der Blog von Fefe zu meinen primären Nachrichtenquellen und auch er trägt viele Meldungen zu Covid-19 zusammen. Darüber stoße ich dann auch auf Texte wie diesen. Als Zusatzgewinn empfinde ich die Leserbriefe aus seiner weitreichenden Leserschaft, die oft konkrete Einblicke bieten.

Natürlich verfolge ich als Wissenschaftsinteressierter auch die ausführlichen Aufbereitungen von Quarks. Beispielhafte Zusammenfassung. Auch scinexx hat u. a. regelmäßig kurze Artikel zum Thema.

Recht bald gab es auch ein Erklärvideo im von mir geschätzten Youtube-Kanal von kurzgesagt. Ebenfalls interessant fand ich auch alles was Gert Scobel bislang beigetragen hat. Sowohl seine Gesprächsrunden als auch seine Vorträge und Interviews schaue ich regelmäßig. Der Schwerpunkt liegt dabei eher auf den gesellschaftlichen und psychologischen bzw. philosophischen Aspekten. Aktuelles Beispiel.

Inzwischen hat sich auch maiLab mit einer sehr ernüchternden Einschätzung zurückgemeldet. Für mich mit ein Anlass in Betracht zu ziehen deutlich länger als geplant hier auf der Finca Tierra zu bleiben. Zwar ist noch nicht klar, ob und wie lange die Ausgangssperre in Spanien verlängert wird, aber ich stelle mir das Reisen, vor allem per Anhalter in nächster Zeit weniger angenehm vor. Mal davon abgesehen, dass ich mich vielen Ansteckungsmöglichkeiten aussetzen würde, denke ich mir, dass die Mitnahmebereitschaft aus gleichen Gründen sehr gering sein könnte.

Vielleicht ist die Pandemie der Anlass den immer wieder aufkommenden Gedanken umzusetzen mal länger… ein Jahr… an einem Ort zu bleiben.

Es zeigt sich also auch an dieser Stelle meine wissenschaftlich kritische Herangehensweise ans Leben und die Welt und ich nehme in den von mir konsumierten Medien nüchterne, unaufgeregte Informationen wahr, die nie Endgültigkeit beanspruchen. Vorgebracht von Menschen, denen ich Erkenntnisgewinn, Empathie, Demut und Menschlichkeit unterstelle.

Da es mir aber notwendig zu sein scheint den Feind zu kennen, überfliege ich auch die Meldungen von Mimikama. Schon mehr als einmal habe ich dort Richtigstellungen und Warnungen vernommen, bevor mir Unsinn von anderer Seite zugetragen wurde. Selbst Satireseiten wie der Postillon tragen dazu bei auf irrende Experten und auf unsere Selbstüberschätzung hinzuweisen.

Leider bleibt es nicht aus, dass ich auch mit Leuten zu tun habe, die sich aus unterschiedlichsten Gründen ein Weltbild zusammengebaut haben, das nicht nur im Widerspruch zu meinem steht, sondern es auch zum Teil ihres Selbst gemacht haben und somit schwer zugänglich sind. Da stehen mir noch große Herausforderungen bevor.

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