(Deutsch) Keine Weis(s)heit

Catégories Empfehlung, publié le dimanche, 28. février 2021, modifié: vendredi, 5. mars 2021
Welche Farbe hat Haut?

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Eine der für mich anregendsten und angenehmsten Beschäftigungen ist die Auseinandersetzung mit Ideen, Konzepten, Sichtweisen und Weltanschauungen. Leider gibt es viel mehr Input als die Möglichkeit zum Austausch, geschweige denn zu inspirierendem und forderndem Austausch.

Ich konsumiere große Mengen von Podcasts, (Nachrichten-)Artikeln und Sendungen ohne mir gleichzeitig die Zeit zu nehmen die Inhalte auch wirklich zu verarbeiten. Gefühlt ist das meiste in dem Moment, in dem ich es in mich aufnehme, auch verständlich und nachvollziehbar, aber das wenigste kann sich festigen und bleibt dauerhaft hängen. Ich beruhige mich damit, dass mich ein Stichwort zukünftig meist immerhin daran erinnert, dass ich dazu schon mal etwas erfahren habe und oft auch schnell rekonstruieren kann, an welcher Stelle, und ich bei Bedarf mein Wissen schnell auffrischen kann.

Wenn ich einen Sachverhalt allerdings bespreche, meine Gedanken dazu auch außerhalb meines Kopfes formuliere, Zustimmung oder Widerspruch erhalte, dann erfasse ich das Thema besser und langfristiger.

Natürlich bietet das Internet auch die Möglichkeit des Austausches in Form von Foren und Social Media, welche durch ihren zeitsouveränen Charakter mir im Grunde gelegen kommen. Jedoch liegt der Reiz für mich im direkten Gespräch; vorzugsweise an selbem Ort oder eben auch durch (Video-)Telefonie. Und vor allem mit Personen zu denen ich schon einen Bezug habe und das gegenseitige Interesse besteht.

Solche Gespräche ergeben sich zwar immer mal wieder spontan und unvorbereitet, aber sind somit auch eher die Ausnahme als die Regel. Deshalb war es umso erfreulicher, dass es meinem Bruder Julian ähnlich ging und wir letztes Jahr entschieden gemeinsam Bücher zu besprechen, um dieses Bedürfnis zu erfüllen.
Unsere bereits wöchentlich stattfindenden Telefonate ergänzen wir seitdem also um Buchbesprechungen. Planmäßig jede Woche ein Kapitel. Das führt bei mir hin und wieder dazu, dass ich manches zwei Mal lese und mehr auf Stellen achte, die ich interessant und erwähnenswert finde.

So haben wir also inzwischen Factfulness gelesen und sind uns einig darüber neue Erkenntnisse bekommen und daraus mitgenommen zu haben. Wie erwähnt vor dem Auftreten von SARS-Cov-2 geschrieben, aber an vielen Stellen zur aktuellen Situation passend. Ich weiß nicht mehr wie wir auf dieses Buch kamen. Auf jeden Fall war es bereits eine Weile in meinem Besitz und ich hatte immer mal vor (oder sogar schon angefangen) es zu lesen.

Für das nächste Buch schlug ich vor, dass wir jeweils drei Bücher raussuchten, dem anderen vorstellten und dann gemeinsam entscheiden. Unsere Wahl fiel auf “Weisheit des ungesicherten Lebens” von Alan Watts. Julian hatte es bereits versucht auf Englisch zu lesen, aber abgebrochen, unsicher, ob es die Fremdsprache oder ein anderer Grund war, weshalb er kaum etwas verstand.

Mir waren weder der Autor noch das Werk bekannt und beides wirkte für meinen Geschmack zu spirituell, aber ich lies mich auch aufgrund dieser beispielhaften Gedanken darauf ein, da sie bei mir Anklang fanden. Mein Motto ziellos einfach nur einen angenehmen Tag zu verbringen ist dem ähnlich.

Interessanterweise kam aber bereits mit dem ersten Satz des Buches eine sehr kritische und ablehnende Haltung in mir auf, die ich auch nicht ablegen konnte. Ich konnte nicht sagen, ob mein Urteil eine Art objektive Berechtigung hat oder hauptsächlich, wenn nicht sogar alleinig, durch meine bestehende Meinung und Erwartung geprägt war. Jedenfalls warf das in mir direkt die Frage auf, ob ich aufgrund gegenteiliger Ausgangslage das vorige Buch, Factfulness, gut und wohlwollend beurteilt habe. Immerhin nehme ich aus dieser Situation mit, auf diesen Sachverhalt zukünftig besser bei mir zu achten.

Tatsächlich aber kamen Julian und ich unabhängig voneinander zu ähnlichem Schluss. Das Buch blieb für uns missverständlich und auch unklar woran es lag: An der Sprache? An der Unfähigkeit des Autors sich auszudrücken? An der Verwirrung des Autors? Oder an unserer Unfähigkeit? Meine Interpretation war letztendlich, dass Alan Watts bereits eine Prämisse hat und diese immer wieder versucht herzuleiten. Leider indem er Behauptungen macht und Annahmen aufstellt, die ich für nicht so gegeben halte wie sie ihm für seine Argumentation notwendig sind. Geschickterweise hat er in seinem Text auch die Immunisierungsstrategie eingebaut, dass es manchen Menschen eben nicht gelingt/gelingen kann es so zu sehen, wie er es sieht, auch wenn er es versucht diplomatisch nicht so aussehen zu lassen, dass er dadurch besser wäre.

Wir haben uns noch auf das zweite Kapitel eingelassen, dass Julian aber schon nicht mehr zu Ende gelesen hatte. Wir versuchten dann mit dem letzten Kapitel das Fazit zu erschließen, jedoch habe auch ich das dann nur noch unmotiviert überflogen.

Somit kommen wir nun zum dritten Buch, das von einem Thema handelt, von dem ich sage, dass es mich zumindest direkt nicht betrifft, aber ich für gesellschaftlich relevant halte. Und der Titel verrät im Prinzip, warum es doch für mich von Bedeutung ist: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten.

Es gibt auch andere populäre Bücher zu dem Thema, die ich für nicht weniger interessant halte, wie Deutschland Schwarz Weiß oder Exit Racism. Vielleicht lag es einfach daran, dass ich durch ein Interview beim Bremer Pressecclub gerade auf das Buch von Alice Hasters den größten Fokus habe.

Als zusätzlich passenden Einstieg in die Thematik, bietet sich die aktuelle Scobel-Sendung an. Und auch Sascha Lobo hat die Aktualität erst kürzlich wieder beschrieben.

Mein Interesse kommt auch durch meine Faszination für die menschliche Psyche, ihre Funktionsweise und Kuriosität. Und mein Bestreben gundsätzlich von Vorurteilen, Kategorisierungen und Verallgemeinerungen loszukommen. Ich denke viel davon trägt auch zum Rassimus bei und was an der Stelle hilft, mag auch in vergleichbaren Situationen helfen.

Wer die Gelegenheit nutzen mag mitzulesen und sich ebenfalls mit mir darüber auszutauschen, ist hiermit eingeladen sich zu melden. Schaut auf welchen Wegen ihr die Bücher mit dem größten Nutzen für die Autoren erwerben könnt.

Das Beitragsbild ist ausnahmsweise mal nicht von mir selber. Irgendwann habe ich es mal von irgendwo auf meiner Festplatte gespeichert und es kam mir im Zusammenhang mit der Thematik des erwähnten Buches in den Sinn. Als Ursprung habe ich nun diese Webseite gefunden und hoffe, dass dieser Verweis und der dortige Hinweis der Unverkäuflichkeit ausreichen, um es hier zu verwenden.

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